Mathematische Metaphorik

 

Unter dem Einfluss der Welturaufführung der „Ode an das Leben“ von Kurt Schmid und Elisabeth Kotauczek hat sich Bernd Preiss über die Frage: „können mathematische Strukturen Gefühle ausdrücken?“ tiefschürfende Gedanken gemacht.

Wie in der einschlägigen Kunstszene bekannt ist, widmet sich Bernd Preiss seit Jahren der fraktalen Bildgestaltung indem er diese mathematisch/logische Konstrukte auf verschiedenste Substrate ausgibt und damit realisiert und so seine betörenden Bilder schafft. Was er allerdings noch nie machte, war der direkte Bezug fraktaler Bilder zu konkreten Werken der Lyrik.

Passt Mathematik und Lyrik zusammen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen sprachlichen Strukturen und algorithmisch erzeugten? Dem menschlichen Maler wird diese Gabe zugeschrieben und hat seit altersher Kunstwerke höchster Vollendung hervorgebracht. Auch die Musik kann lyrische Gedanken musikalisch ausdrücken. Aber mathematische Formeln? Können diese lyrisch sein?

Bernd Preiss beweist, dass es möglich ist. Er hat ein Gedicht von Elisabeth Kotauczek mit Hilfe seiner fraktalen „Alchimie“ so perfekt visualisiert, dass man meinen könnte, die Mathematik sei die Schwester der Lyrik. In der Tradition der islamischen Kunst des Mittelalters mit ihrem Bilderverbot haben Generationen von Künstlern die schönsten lyrischen Werke mit atemberaubenden Kalligraphien und Ornamenten, die ein tiefes Verständnis komplexer geometrischer Muster erkennen lassen, visuell umgesetzt. Diese Kunst ging später weitgehend verloren.

Die Umcodierung von Elisabeth Kotauczeks Gedicht „Ode an die Musik“ in fraktale Strichzeichnung mit farblicher Emphase ist für das Gesamt-Werk von Bernd Preiss ein echter Durchbruch, der Geschmack auf mehr macht.

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Spazierschweben im fraktalen Raum

Der Künstler Matthew Ritchie hat am Wiener Schwarzenbergplatz unter dem Titel „The Morning Line“ eine Skulptur präsentiert, die einen fraktalen Raum aufspannt, der öffentlich zugänglich ist. Ähnlich wie die CALSI-Künstlerin TrauMa schneidet er „Scherenschnitte“ aus Metallplatten. Wie der CALSI-Fraktalist Bernd Preiss verwendet er fraktakle Algorithmen, um seinen komplexen Raumkörper zu konstruieren. Dieses fraktale Gebilde ist in der von Francesca von Habsburg ermöglichten Rauminstallation im Zentrum Wiens auf dem grauen Asphalt des Schwarzenbergplatzes aufgebaut, was einen ganz eigentümlichen monochromen Reiz in Schwarz-Grau erzeugt. Eine unbezwingbnare Versuchung für den Spazierschweber der Nation, dieses künstlerische Envirenment in einer Guerilla-Kunst-Aktion spontan zu bebunten. Der Deko-Trikke fuhr durch das fraktale schwarze Gebilde wie ein bunter Schmetterling und erfreute die Zuseher. Näheres zum Kunstwerk Matthew Ritchies unter http://isatrends.at/friends/francesca-von-habsburg/22753/the-morning-line-am-schwarzenbergplatz/

Nach einem kurzen Foto-Stop vor dem Hochstrahlbrunnen gings zur Vernissage im Palais Kinski, wo das Moving Painting vor dem Eingang posierte.

algorithmische Kunst

Unter den CALSI Künstlern haben wir einige Typen dieser in den vorherigen Beiträgen erwähnten Algorithmiker:

Der Fraktalist Bernd Preiss z.B. befasst sich mit den Mandelbrot-Mengen und den gebrochenen Dimensionen, was diese bekannten fraktalen Srukturen erzeugt, mit denen er seine Bilder komponiert.


© Bernd Preiss

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