die Feuerblume

Peter Kotauczek

Wir alle tragen die Feuerblume in uns …

Die Feuerblume als Metapher für die geheimnisvolle Kraft in uns, die uns am Leben erhält und uns Sinn gibt, wird in den verschiedenen religiösen und philosophischen Mythen als „Seele“, als „Atem Gottes“, als „Elan vital“ (Bergson) oder als „Weltgeist“ (Hegel) bezeichnet und in den verschiedensten Märchen und Erzählungen beschrieben.


Jeder von uns fühlt, diese Kraft in sich zu tragen. Wir beschlossen, sie „die Feuerblume“ zu nennen und ein künstlerisches synästhetisches Projekt daran zu knüpfen. Synästhetik ist die synchrone Wahrnehmung über verschiedene Sinne, in diesem Falle das Sehen und das Hören und die damit verbundene Steigerung der Empfindungen.

Kpnstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

In unserem synästhetischen Experiment ist „die Feuerblume“ ein Abstraktum. Es gab in der Kunstgeschichte viele Beispiele für synästhetische Projekte, eines der berühmtesten ist wohl Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Im Februar und März 1874 fand zum Gedenken an den Maler Viktor Hartmann eine Ausstellung in Petersburg statt. Diese Ausstellung regte Mussorgsky an, dem verstorbenen Freund auch ein musikalisches Denkmal zu setzen. In einem enormen Schaffensrausch komponierte er seine Klaviersuite „Bilder einer Ausstellung“, die er am 22. Juni 1874 vollendete. Später schrieb Maurice Ravel eine Orchesterfassung.

Künstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

1924 sorgte das „Ballet Méchanique“ des Malers Fernand Leger und des Komponisten George Antheil für Aufregung. In beiden Fällen begann das Projekt mit den Bildern des Malers und der nachfolgenden Komposition der Musik. Der Musiker setzt die Eindrücke beim Betrachten der Bilder in Töne um, er schöpft dabei auch aus seiner Kenntnis der Denkweise des Malers. In beiden Fällen waren Maler und Komponist befreundet. Leger war von der Mechanisierung der Kunst begeistert und damit ein indirekter Vorläufer der Computer-Art. Antheil erfand gemeinsam  mit seiner Frau, der Filmdiva Hedy Lamarr, ein Codierungs-Verfahren, das heute die strukturelle Grundlage für die Breitband-Internet-Übertragung bildet.

Künstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

Kunst und Technik vom Feinsten.

Im Projekt Feuerblume war der Schaffungsprozess anders. Hier existierte zuerst die Komposition von Kurt Schmid und regte den Maler Peter Kotauczek dazu an, einen Bilderzyklus zur Musik zu schaffen, der ein visueller Hintergrund  für das Orchester sein sollte. Auch hier spielt die persönliche Freundschaft zwischen Maler und Komponist eine Rolle. Kamen die beiden doch durch ihre übereinstimmenden Meinungen über die Wichtigkeit der Struktur-Fragen im Kunstschaffen einander näher. Den Ausschlag gab schliesslich das Libretto von Elisabeth Kotauczek, die das ursprüngliche romantische russische Märchen von der Feuerblume in eine gestraffte abstraktere Ebene umcodierte, indem sie das Schicksal der Feuerblume in kurze Impuls-Leitsätze fasste, die einerseits Titel der Einzelstücke wurden und gemeinsam den metaphorischen roten Faden der Geschichte darstellten.

Künstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

Dies eröffnete dem Maler die Möglichkeit, zu jedem Stück der Suite ein rein abstraktes Bild zu schaffen, das den Inhalt der Musik in visuelle Strukturen synästhetisch umsetzt. Die konkreten Assoziationen aus Bild und Musik werden dem Empfänger der synästhetischen Botschaft überlassen. Der Leitsatz: „Wir alle tragen die Feuerblume in uns …“ wurde darüber hinaus aus der Sicht der Bilder wörtlich genommen, indem alle Bilder direkt aus dem Leitbild heraus entwickelt wurden und auf diese Weise „die Feuerblume in sich tragen“. Jedes einzelne Bild ist eine Struktur-Transformation von Teilen des Leitbildes „Die Feuerblume“, das stilistisch an die russische Märchenversion des früheren „kleinen Balletts“ von Kurt Schmid anknüpft ohne den Boden der Abstraktheit zu verlassen. Stilistische Zitate berühmter Maler wie Nicolas De Stael, Jean-Paul Riopelle, Joan Miro, Salvador Dali, Wassily Kandinsky, Henri Toulouse-Lautrec, Paul Klee oder Gustav Klimt sind in den Bildern versteckt. Ein Spiel mit den Mitteln der Steganografie und der visuellen Verschlüsselung. Fast überflüssig anzumerken: alle Bilder sind am Computer entstanden.

Künstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

Das Haupt- und Leitbild „Die Feuerblume“, das ursprünglich als Cover für die geplante CD gemalt wurde, basiert auf einem Artificial-Life-Experiment, in dem im Rechner etwa 2000 Punkte nach vier einfachen Regeln entstehen, sich vermehren und „sterben“. Nach mehreren tausend Generationen entstehen aufregende Populationsmuster, die an lebende Zellkulturen erinnern. Diese Simulationen sind unter dem Namen des Erfinders Conway bekannt geworden. Peter Kotauczek hat eine solche Conway-Struktur gerechnet und dann in ein Gemälde verwandelt, aus dem dann wiederum alle andern Bilder streng logisch abgeleitet wurden. Durch gezielte Eingriffe des Malers wurden die geometrisch perfekten aber „toten“ Strukturen aus dem Computer gezielt gestört, verwischt und gefärbt und damit ästhetisch „zum Leben“ erweckt.

Künstlergruppe CALSI®, Projekt die Feuerblume, Elisabeth und Peter Kotauczek, Kurt Schmid, Opus 351a

==> Mehr über die Feuerblume gibt es in deren eigenen Blog

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12 Antworten to “die Feuerblume”

  1. Peter K Says:

    Die Feuerblume ist ein interessantes Experiment. man sollte nmehr darüber erfahren!

  2. CTM Says:

    Lieber Peter,

    finde ich auch, drum bemühe ich mich, sie in den Weiten des www etwas bekannter zu machen, unter anderem eben mit deren eigenen Blog – und auch real sind schon alle meine Bekannten mit dem Feuerblumen-Virus infiziert – egal, ob zu Hause oder im Auto:

    es kann nur eine geben
    ich liebe sie

    also die Feuerblume 😉

    Wobei ich zugebe, dass mich auch die Menschen faszinieren, die „hinter“ diesem Projekt stehen – jede/r für sich und in Summe als gemeinsame Schöpferkraft – und das nicht nur für dieses Werk.

  3. Phoebie Says:

    Hi,

    sorry, irgendwie versteh ich das Ganze nicht wirklich. Was ist dieses Projekt Feuerblume jetzt eigentlich? Soviel ich heraus gelesen habe geht es um Musik und Malerei. Warum sind aber einige der Bilder so komisch verschwommen?

  4. CTM Says:

    Liebe Phoebie,

    also in ihrer bisher letzten Form war es

    Eine Digitale Konzert Imagination
    Szenische Ausstellung mit 24 Bildern

    oder, anders gesagt – ein geniales Ballett, welches hinter den von Peter Kotauczek kreierten 24 Bühnenbildern tanzte, was auch die „verschwommenen“ Bilder erklärt.

    Begonnen hatte das Projekt mit einer Komposition von Kurt Schmid – Opus 351. Danach entdeckte Elisabeth Kotauczek ihre Liebe zu dieser Musik und drängte darauf, noch „mehr“ daraus zu machen – sage ich jetzt mal so ganz salopp, ich hoffe, sie verzeiht mir diese Aussage.

    Und auch ihr Mann, Peter Kotauczek begann, sich für dieses neue Projekt zu begeistern – die Beschreibung seiner Malereien sind in dem Artikel hier sehr ausführlich beschrieben.

    Der nächste Schritt war dann eben das Libretto von und durch Elisabeth Kotauczek, woraufhin Kurt Schmid die Komposition erweiterte auf eine Große Ballettsuite – Opus 351a.

    Dann wurde von 30. August bis 1. September 2007 dieses Projekt uraufgeführt im Museumsquartier in Wien – 24 szenische Ausstellungen – projiziert auf eine Großbildleinwand – dahinter tanzte ein Ballett – zur bereits 2005/2006 mit und durch das Philharmonische Orchester Lugansk aufgenommen CD – Opus 351a von Kurt Schmid.

    Die Aufführung vom 30.8.2007 wurde danach dann auch noch als DVD veröffentlicht. Das ist der bisherige Stand der Feuerblume – in relativ komprimierter Form.

    Einen bebilderten Überblick über diese „szenische Ausstellung mit 24 Bildern“ gibt es auch noch auf Kurt Schmids Seiten – dort findet sich auch die eingescannte Einladung mit dem Original und den daraus gewonnen Bildern von Peter Kotauczek.

  5. Phoebie Says:

    Danke für die Zusatzinformation. Interessant, wie sich das jetzt über Jahre hinweg irgendwie entwickelt hat. Scheint aber auch wirklich ein geniales Team zu sein.

  6. Wer ist dieser Kurt Schmid? « Kurt Schmid Says:

    […] der Welturaufführung der Feuerblume im Museumsquartier 2007, wurde ich irgendwie auch auf seine Werke aufmerksam – die Trommler auf der Bühne holten mich […]

  7. Sandra Says:

    Einen wunderschönen guten Abend,
    ich wollte nur sagen, dass ich mich grad in den wunderschönen Beschreibungen zu dieser Feuerblume verloren hatte. Die ist aber auch weit verzweigt in den Weiten des Internets an zu treffen. Ich hoffe, noch viel mehr darüber zu finden. Mich persönlich würden auch die Menschen interessieren, die dahinter stehen, die Beschreibungen selbst sind manchmal für mich etwas mühsam zu verstehen.
    Irgendwie gefällt sie mir 😉
    Sandra

  8. Hermine Says:

    Mich fasziniert ja dieses eine Bild da von der Feuerblume. Wie kann man sowas mit dem Computer machen? Wobei mich auch die Entstehungsgeschichte zum nachdenken anregt. Wie kann jemand auf solche Ideen kommen? Oder aber auch, wo finden sich mehrere Menschen, die ähnliche Ideen kombinieren?
    Gruß Hermine

  9. CTM Says:

    Hallo Phoebie,

    Scheint aber auch wirklich ein geniales Team zu sein.

    würde ich auch so sehen, nachdem es auch keine „Eintagsfliege“ war, sondern bereits eine mindestens ebenso erfolg-&-reiche Fortsetzung gefunden hat in Form von „Mitten ins Herz“ – und auch schon der nächste Streich geplant ist.
    Ich werde weiter berichten 😉
    LG CTM

  10. CTM Says:

    Hallo Sandra

    die Beschreibungen selbst sind manchmal für mich etwas mühsam zu verstehen.

    Nicht nur für dich (zugeb) – wobei das für mich den Reiz noch verstärkt, mir Peter Kotauczeks Beschreibungen immer wieder durch zu lesen – um immer wieder etwas mehr davon zu verstehen, was er mit dem bezweckt, was er tut – und ich bekomme langsam ne Ahnung von einer Idee, worums gehen könnte – um es mal vorsichtig zu formulieren.
    Ich hatte ursprünglich vor, über dieses künstlerische Trio mehr zu schreiben, aber ich glaube, man kann „die Drei“ nur be.greifen, indem man sie er.lebt in ihrer Arbeit – jede.n für sich – und in der Summe ihres Schaffens. Vielleicht fällt mir aber noch was ein, was ihre Arbeit auch entsprechend würdigen könnte 😉
    LG CTM

  11. CTM Says:

    Hallo Hermine,

    Wie kann man sowas mit dem Computer machen?

    Da muss ich passen – und auf Peter Kotauczeks Beschreibung verweisen. Ich mach zwar selbst viel mit dem PC, aber das ist mir eine Stufe zu hoch – wobei ich zugebe, dass es mich fasziniert, aber alles muss ich selbst nicht auch können 😉

    Wie kann jemand auf solche Ideen kommen?

    Die Frage kann ich – aus meiner Sicht – beantworten:
    Zulassen – die eigenen Ideen – und auch, sich von Komplizen finden zu lassen, die auf einer ähnlichen Welle schwimmen. Die Drei haben sich einfach gefunden – sind sich „zu-fällig“ begegnet und haben sich zu einer neuen Ein.heit auf künstlerischer Ebene verschmolzen. Und sie treiben sich gegenseitig weiter vorwärts in ihrem gemeinsamen künstlerischen Er.schaffen.

    Oder aber auch, wo finden sich mehrere Menschen, die ähnliche Ideen kombinieren?

    Ich glaube nicht, dass sie ähnliche Ideen hatten, als sie sich kennen lernten – wie sagte vor Kurzem einer meiner Geschäftspartner „Durchs Reden kommen d’Leit zsam“ – und genau so ist auch – meiner Meinung nach – dieses Trio ent.standen und/oder ge.wachsen – sie haben sich „zu-fällig“ getroffen – und durchs Reden und „ähnlich ticken“ entstand dann die Feuerblume – und in Folge auch „Mitten ins Herz“.
    LG CTM


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