Privilileg und Last.

Herbert Granditz hat ein Privileg, das man gerne eine Multibegabung nennt. Er malt, schreibt Bücher und Sketches, er ist ein gefragter Musiker und er ist Kabarettist. In letzterer Funktion hat er es sogar zum Professor gebracht.

Aber er leidet auch unter der Last seines Multitalents. Immer steht er unter Dampf. Immer wartet ein Projekt auf seine dringende Fertigstellung. Während er noch an einem neuen Solo-Programm für die Kleine Bühne im Landhauskeller schreibt, probt und am Regiekonzept feilt, baut sich schon bei einer Galerie der Erwartungsdruck auf. Welche Bilder wird  der Meister bringen? Wie viele? Denn der Kreis der Liebhaber seiner Bilder steigt ständig. Und am Telefon bedrängt ihn der Verleger. Granditz will alle zufriedenstellen und das perfekt.

Wir von CALSI hatten das Privileg, an seiner jüngsten Premiere in Graz teilnehmen zu können. Wie immer war die Atmosphäre herzlich/familiär. Ein exzellentes Mahl im Landhauskeller-Restaurant leitete den Abend ein, passend zum Thema der Vorstellung “Schmähflocken“. Die Einladung zeigt den Professor  in gelehrter Pose mit einer Packung seiner Schmähflocken. Dem scharfen Blick des CALSI-Redakteurs ist natürlich sofort aufgefallen, dass Granditz in dieses Bild eine Fraktalität eingebaut hat, was uns zu einem weiteren Talent des Multikünstlers führt. Granditz ist auch ein Philosoph und Theoretiker, der die geheimen Codes der Bildkunst und der menschlichen Seele trefflich zu entschlüsseln versteht. Dies zeigte sich  dann auch gleich in seinem neuen Kabarett-Programm.

Und da waren sie wieder, die Typen aus dem prallen Leben, die ihre Skurrilitäten und Macken zur Schau tragen: die korrupten Politiker, die Ärzte, der Exhibitionist, eine Salmonelle, ein Totengräber, Graf Bodo und sogar der Papst. Ja auch der Zwetschkenbaum und der sich die Welt und die Frauen schöntrinkende Postler. Köstlich. Der Höhepunkt war aber die besinnliche Nummer über das Altern und das Anti-Aging-Elixir „Kunst“.

Der Professor selbst war blendend disponiert und wurde vom Publikum durch stürmischen Applaus gezwungen, mehr Zugaben als sonst zu geben.

Nicht vegessen sollte sein auf die kongeniale Mitwirkung des Christian Dolcet hinzuweisen, der wie immer ein Klavierbegleiter mit Schauspielereinsatz war und den Meister optimal zur Geltung brachte. Auch die prominenten Gäste inklusve Landeshauptmann und Stellvertreter  sollten nicht unerwähnt bleiben.

Es hat sich wieder einmal gelohnt nach Graz zu pilgern.

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