Oratorium – die Texte

Elisabeth Kotauczek wählte das Zitat aus dem ersten Korinther-Brief „Tod wo ist dein Stachel“ und codierte den zweiten Teil: „Hölle/Scheol, wo ist dein Sieg“ in die dramatische Beschreibung eines Sturms am Meer, der das wilde Wogen des Lebens schlechthin beschreiben könnte, um. Sie bedient sich dabei des Mittels der lyrischen Prosa, die sie interaktiv mit dem Komponisten einsetzt, um Sprachrhythmus und Timing perfekt mit der Musik abzustimmen.

Im neunten Satz wird unter dem Titel: “Feuer und Schwert“ der Konflikt zwischen den Jenseitsvorstellungen und ihrer Manifestationen im Diesseits thematisiert. So entwickelt sich ein Läuterungsdrama in der Gestalt einer Selbstbefreiungsgeschichte, die aus dem chaotischen Dunkel – der Hölle, dem Hades, des Scheol – zum durchgeistigten Licht führt. Ein Befreiungs-Happy-End durch die Kunst, die Musik. Kunst als Therapeutikum.

Auszug aus dem Artikel Das Oratorium als Weltbildmaschine von Peter Kotauczek

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Das Oratorium als Weltbildmaschine

Elisabeth Kotauczek und Kurt Schmid haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben den Bibelspruch „Tod, wo ist dein Stachel“ zu einem gewaltigen Bogen der Weltsicht erweitert, der dem sensiblen Zuhörer ein Gefühl gibt, als säße er am Steuer einer Weltbildmaschine. Einer Maschine, die einem, so lange er im Bann der Musik und der Texte steht, das Gefühl gibt, man verstünde die Welt in ihrem tiefsten Zusammenhang.

Die traditionsreiche musikalische Form des Oratoriums, von Händel mit seinem „Messias“ zu unerreichten Höhen entwickelt, ist eine gewaltige Herausforderung. Gilt es doch, nicht mehr und nicht weniger als das All-Eine in eine musikalische und lyrische Struktur zu gießen und so dem Publikum fühl- und erkennbar zu machen.

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