Gesichtslandschaften

Gesichter

sind Landschaften der Seele

Landschaften

sind Gesichter der Gegend

Bilder

sind Gesichter von Gedanken

Gedanken

sind Landschaften des Intellekts

Peter Kotauczek - Gesichtslandschaften

Die Rechenleistung der modernen Computertechnik erlaubt es, Bilder und Gemälde als mathematische Tatbestände zu behandeln. Das war in Zeiten des Van Gogh, aber auch zu Picassos Lebzeiten noch unmöglich. Trotzdem haben diese Meister sehr bewusst mit den Bildelementen und Elementengruppen experimentiert.

In dieser Ausstellung soll gezeigt werden, was passiert, wenn traditionelle Technik des Malens und Computertechnologie mit klassischer Handwerkskunst interagieren. Die Grenzen zwischen den gewohnten Vorstellungen beginnen zu verfließen. Wo hört der Rahmen auf? Wo beginnt er, wenn er Bestandteil des Bildes wird? Wie verwandelt sich eine abstrakte Landschaft in ein liebendes Paar? Wie fällt das Bildnis des Dorian Gray in totale Abstraktion?

Die Lösung klingt einfach, ist aber schwierig in der Ausführung: handgemalte Bilder werden mit Computerstrukturen zusammengemixt und mit mathematischen Filtern bearbeitet. Dann werden sie mechanisch auf Leinwand ausgegeben und oftmals noch mit der Hand übermalt und ergänzt. Dann wird entweder ein Rahmen nach traditioneller Handwerksart dazugefügt, oder in das Bild beim Malvorgang integriert. Manchmal gibt es das Bild physisch gar nicht mehr, sondern es entsteht nur mehr am Bildschirm und beginnt sich zu bewegen.

Es sind die Experimente dieser Art, die mich als Künstler und Informationstheoretiker interessieren. Dass nebenbei schöne Objekte entstehen, nehme ich gerne an. Wichtig ist mir aber die Erkenntnis, die ich aus diesen Aktivitäten schöpfe.

Noch ein Wort zum Rahmen. Ortega y Gasset, der berühmte Philosoph, hat einmal gesagt:

„Mit einer enormen, absurden Geste bedeutet er (der Rahmen) uns, dass in dem imaginären Hinterland, zu dem er das Einfallstor ist, die andere, die unwirkliche, die Welt der Phantasmagorie beginnt. Wenn er uns Atemwolken von Träumen und den blauen Dunst des Märchens zubläst, besteht er zu Recht.“ (Zitat entnommen aus Günter Unger: Das andere Licht, Kunst im Burgenland seit 1945)

Diese romantische Auffassung muß ergänzt werden: Der Rahmen ist auch die sicht- und fühlbare Begrenzung der anderen Welt des Künstlers, in der er der absolute Herrscher ist. Sie zeigt aber auch die lächerliche Überheblichkeit der Moderne, diese Grenze dadurch negieren zu können, dass der Rahmen gänzlich verschwindet. Auf diese Weise möchte der moderne Künstler offenbar seine Herrschaft in die Außenwelt ausdehnen und muss damit notwendigerweise scheitern. Trotzdem wagt er es immer wieder.

Peter Kotauczek

 

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