Die visuelle Vertonung von Lyrik

Die Vertonung von Lyrik ist eine künstlerische Technik, die schon lange bekannt ist. Wohl eines der berühmtesten Beispiele ist der vierte Satz von Ludwig van Beethovens Neunter Symphonie, in der er ein Gedicht Friedrich Schillers vertont. Aber auch in der modernen Pop-Kultur ist die Vertonung von Lyrik das Mittel der Wahl. Offenbar gewinnt sowohl die Musik als auch das Wort an Wahrnehmungs-Qualität, wenn beides meisterhaft kombiniert wird.

Im vorliegenden Experiment wird versucht, diese Idee in die Welt der visuellen Wahrnehmung zu übersetzen.

Das Gedicht „Über Glück“ von Elisabeth Kotauczek wird zum Ausgang genommen, um eine visuelle „Vertonung“ vorzunehmen. Dabei wird der Sinn des Wortes „Vertonung“ transformiert. Damit wird die „Vertonung“ zur Vertunung“. Es tritt nun der Farbton, die Lage und die Form abstrakter geometrischer Figuren an die Stelle der Töne und Klänge in der Musik. Die Veränderung der Farb-Form-Elemente in Art und Lage ergeben das visuelle Gegenstück zu Melodie und Rhythmus.

Es hat sich im Experiment gezeigt, dass viele Bildungsregeln der Komposition in der Musik sinngemäss auf die Erstellung der visuellen Partitur übertragen liessen. Das geschriebene Wort tritt an die Stelle des Gesanges. Die Instrumentalisierung des visuellen Hintergrundgeschehens geschieht auf dem Computer nach den Gesetzen der Humaninformatik.

Über einen jedermann zugänglichen Bildgenerator wurde ein Strom von Farb-Form-Strukturen erzeugt, die im Falle des vorliegenden Experimentes mit Rhythmen von gängigen Pop-Schlagern angetriggert wurde und so einen typischen Two-Beat als dynamische Komponente integrierte.

Der so entstandene Film wurde über einen herkömmlichen Titelgenerator mit dem Gedicht verschränkt, wobei die Akzentuierung durch die Wahl der Pausen und den Zeilen-Rhythmus im Gehirn des Lesers synästhetisch mit dem Ablauf der Bilder (25/sec) verrechnet wird und einen ganz anderen Zugang zum Gedicht erlaubt, als er üblicherweise durch Lesung oder Gesang des Gedichtes erzeugt wird.

Prof. Peter Kotauczek
Breitenbrunn, 24.6.2007

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